Perspektiven

Medizinische Perspektiven

Widmen wir uns zuerst den medizinischen Perspektiven. Wir glauben, dass es eine grosse Variation/Verzerrung in der Beratung bez¨glich einer Therapie gibt, abhängig von der Zuweisung des Patienten oder der Ausbildung des Chirurgen. Beispielsweise bei einem Patienten mit einem hapatozellulären Karzinom (HCC) eher eine Leberresektion respektive Lebertransplantation durchgef¨hrt, wenn ein onkologisch tätiger Chirurg oder Transplantationschirurg involviert ist. Bei einer Gallengangsstriktur wird eher eine endoskopische oder transkutane Dilatation durchgef¨hrt, als das Problem chirurgisch angegangen wenn ein Gastroenterologe oder Radiologe der behandelnde Arzt ist. Auch minimiert sich die Voreingenommenheit wenn gut ausgebildete HPB-Chirurgen oder ein kombiniertes Teams von nicht-Transplantationschirurgen und Lebertransplantationschirurgen im Zentrum vorhanden sind, da alle Therapiemöglichkeiten im Zentrum verf¨gbar sind. Weiter werden Pflegende und Hilfspflegende, welche mit einer breiten Vielfalt von medizinischen und chirurgischen Lebererkrankungen umgehen, eine hohe Kompetenz darin erlangen, was somit die Qualität der Pflege verbessert. Das Konzept einer 'Clinical Nurse' macht im Rahmen eines Zentrums Sinn. 'Clinical Nurses' arbeiten eng mit dem ärzteteam zusammen und koordinieren die Patientenbehandlung ganz speziell in einer interdiziplinären Poliklinik. 'Clinical Nurses' spielen aber auch eine wichtige Rolle beim Sicherstellen der ambulanten Vorabklärungen. Zum Schluss möchten wir postulieren, dass die Möglichkeit das ganze Spektrum von HPB-Erkrankungen zu behandeln, die Zufriedenheit und Motivation des Personals, welches in die Behandlung dieser Patienten involviert ist, erhöht.

Patientenperspektiven

Aus der Perspektive des Patienten, haben Zentren einen grossen Stellenwert. Patienten haben mehr und mehr das Verlangen nach der Kenntnis der besten Behandlung und erwägen vermehrt verschiedene therapeutische Optionen. Ein Zentrum, welches die Möglichkeit von umfangreichen und kompetenten Spezialisten hat, erscheint sehr attraktiv, da den Patienten die beste Behandlung unabhängig von der Erfahrung einer Einzelperson angeboten werden kann. Zusätzlich werden Patienten, welche eine weite Reise in die Sprechstunde haben, von der Evaluation durch mehrere Disziplinen profitieren und erlaubt ihnen eine Entscheidung in einer Sitzung zu treffen. Aus den gleichen Gr¨nden schätzen die zuweisenden ärzte die interdisziplinären Empfehlungen und können die Patienten dem 'Zentrum' zuweisen ohne entscheiden zu m¨ssen, ob sie einem Onkologen, Hepatologen oder Allgemein- oder Transplantationschirurge zuweisen wollen.

Perspektiven aus der Sicht der Depatements- oder Abteilungsvorsteher

Es bestehen berechtigte Bedenken von Seiten der Depatements- oder Abteilungsvorsteher, dass sie die Kontrolle über einen wichtigen Teil ihres Gebietes verlieren könnten. Das kann auch als Verlust von Einnahmen oder das ein mangelhafte Ausbildung von Assistenzärzten und jungen Oberärzten empfunden werden. Diese Befürchtungen müssen sorgfältig angegangen werden, mit dem Ziel Vorteile für alle Stufen im Spital zu schaffen. Zum Beispiel sollten Assistenzärzte eine gute Ausbildung durch fixe Rotationen im Zentrum erhalten. In ihrer Ausbildung werden sie konfrontiert mit Gegebenheiten, welche traditionsgemäss zu anderen Departementen gehören. In Zürich rotieren Assistenzärzte im Departement Chirurgie und Innere Medizin im Zentrum für mindestens 6 Monate und Oberärzte für 3 Monate. Ein transparenter Pflichtenkatalog ermöglicht eine umfassende Ausbildung für die spezialisierten Fellows und die rotierenden Ärzte. Schliesslich sind Depatements- oder Abteilungsvorsteher in akademischen Institutionen verantwortlich für die Förderung von Forschung und innovativen Therapien. Aus diesem Blickwinkel stellt ein Zentrum eine ideale Plattform dar, da sich Patienten zentral befinden und somit Patienten, welche für Studien und Protokolle qualifizieren würden besser identifiziert werden können. Zusätzlich wird durch das grosse Volumen einen Beitrag zu Forschung und innovativen Therapien geleistet. Studien sollten durch Studienbegleiter (Study Nurses) koordiniert sein, welche sich dem Zentrum und der Datenbank widmen.

Perspektiven aus der Sicht des Spitals

Zentren könnten als Faktoren gesehen werden, welche die Komplexität der akademischen Struktur erhöhen, da die Spitalleitung sowohl mit Departementen wie auch mit Strukturen zwischen Dapartementen umgehen müssen. Die Herausforderung für die Spitalleitung ist die Entwicklung der Zentren zu ermöglichen und gleichzeitig die Verantwortung für die Ausbildung spezifischer Gebiete in der Medizin erhalten. Hier stellen wir Ihnen die Struktur des 'Swiss HPB-Centers' vor. Diese illustriert einen möglichen Entwicklungs- und Kontrollmechanismus. Der grössten Anreize für die Spitalleitung sind die bessere Behandlung der Patienten, die Möglichkeit mehr Patienten zu gewinnen und die Behandlungskosten durch eine bessere Behandlung und kürzere Aufenthaltsdauer zu senken.[1] Als Schlussfolgerung glauben wir, dass ein Zentrum das beste Umfeld für eine optimale Behandlung von Patienten mit komplexen HPB-Erkrankungen darstellt. Um die Rechenschaftspflicht und Glaubwürdigkeit zu erhalten, sollte der Begriff Zentrum nur bei Vorhandensein von definierten Kriterien verwendet werden und aufgrund der wichtigen Aufgabe Forschung zu betreiben und innovative Therapien anzubieten, möglicherweise auf akademische Institutionen beschränkt sein. Wir sind überzeugt, dass dieses interdisziplinäre Modell der Patientenbehandlung der Standard werden wird und der beste Weg ist die Behandlung in einem spezialisierten Gebiet der Medizin zu optimieren.

[1] Journal of Hepatology 44 (2006): 639-662

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